Japan vor nuklearer Katastrophe: Atomkraftwerk Fukushima außer Kontrolle

Die Ereignisse am atomaren Megastandort Fukushima werden immer bedrohlicher. Zwei Reaktoren sind außer Kontrolle geraten. In beiden ist die Kernschmelze offenbar in im Gange. In vier weiteren Reaktoren versagen die Kühlsysteme. Es droht das größte Unglück in der Geschichte der Atomenergie.

Nach aktuellen Meldungen aus Japan droht den Menschen nach der Tsunamikatastrophe jetzt eine nukleare Katastrophe ungeheuren Ausmaßes. Mindestens zwei Blöcke im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi sind außer Kontrolle. Die Kernschmelze hat offenbar in beiden Blöcken begonnen. Radioaktivität tritt aus. Nach dem Reaktor 1 droht jetzt auch Reaktor 3 zu explodieren. Am 12 Kilometer entfernten Atomstandort Fukushima Daini versagen in drei der vier Reaktoren die Kühlsysteme.

Berichte über verstrahlte Menschen und einen Anstieg der Radioaktivität in der Umwelt lassen Schlimmes befürchten. Es muss gehofft werden, dass die Bevölkerung vor einer massiven Freisetzung von Radioaktivität in Folge der Kernschmelze bewahrt werden kann. Unsere Gedanken sind bei den Menschen in Japan und den Verantwortlichen, die versuchen dies zu verhindern.

Nach aktuellem Stand wissen wir über die sich überschlagenden Ereignisse in Fukushima so viel:

  • Sämtliche Reaktoren am Standort Fukushima wurden durch das Erdbeben automatisch abgeschaltet, es kam zum Stromausfall.
  • Der Tsunami hat die Diesel-Generatoren in Fukushima I beschädigt, die das Kühlsystem bei Stromausfall am Laufen halten sollten. Auch Notstromaggregate fielen aus, so dass eigens neue Batterien angeschlossen werden mussten.
  • Die Leistung der Batterien war zu schwach, um die dringend erforderliche Kühlung der Brennelemente sicherzustellen. Im Reaktor stiegen Druck und Temperatur an.
  • Im Umkreis von 3 km begann die Evakierung der Bevölkerung. Innerhalb weniger Stunden wurde er erst auf 5, dann auf 10 km ausgeweitet. Inzwischen liegt der Radius der Evakuierungszone bei 20 km.
  • 210.000 Menschen wurden evakuiert, mindestens 19 Menschen wurden bislang verstrahlt.
  • Bei mehreren Blöcken stieg die Temperatur auf über 100 Grad, die Kühlwasserzufuhr brach zusammen; es wurde daher radioaktiver Dampf abgelassen, um den Druck im Reaktor zu verringern.
  • Am Samstagmorgen (MEZ) explodierte ein Gebäude auf dem Reaktor-Gelände. Vier Arbeiter wurden verletzt. Die genaue Ursache ist noch nicht geklärt. Nach Angaben des Betreibers sei das Reaktorgehäuse nicht beschädigt worden.
  • Seit Samstag werden die beiden außer Kontrolle geratenen Reaktoren mit Meerwasser gekühlt.
  • Einige Hundert Kilometer nördlich von Fukushima wurde eine 400-fach überhöhte Radioaktivität gemessen.
  • Allen Maßnahmen zum Trotz hat die Kernschmelze offenbar in den Reaktoren 1 und 3 begonnen. Es droht jetzt die schlimmste Störung, die in einem Atomkraftwerk möglich ist.
  • Im Reaktor 3 hat sich Wasserstoff angesammelt, der Druck steigt unkontrolliert, es droht eine Explosion.

Noch ist unklar, ob die Reaktorhülle der beiden am schlimmsten betroffenen Reaktoren die massive Freisetzung von Radioaktivität noch verhindern kann. Reaktor 1 ist bereits massiv beschädigt, Reaktor 3 droht zu explodieren. Experten befürchten, dass es zu einer Katastrophe ähnlich der in Tschernobyl 1986 kommen kann.
Risiken dürfen nicht länger ignoriert werden

Die Katastrophe von Fukushima zeigt eines in aller Deutlichkeit: Kein Atomkraftwerke ist weltweit vor einer Kernschmelz gefeit, auch in Deutschland nicht. Die Kernschmelze ist kein erdbebentypisches Risiko, sie kann immer auftreten, wenn der Strom ausfällt und Notstromaggregate versagen. Fukuchima lehrt uns: Das Risiko einer Kernschmelze darf nicht länger ignoriert werden. Hier hilft keine Nachrüstung. Hier hilft nur, dieses Risiko so schnell wie möglich durch Stilllegung zu mindern.

Quelle: http://www.gruene-bundestag.de/cms/atomausstieg/dok/374/374114.japan_vor_nuklearer_katastrophe.html

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